Der Kleine Krampus

Papa, erzähl‘ uns eine Geschichte von einem Krampus!

Und so kam es zu der folgenden Geschichte – eines Abends bei uns Bett:

Es war einmal vor langer langer Zeit ein kleiner Krampus. Er lebte mit seinen Eltern in einer gemütlichen Höhle und genoß dort sein Leben. Sie kochten sich leckeres Essen, schnitzten lustige Masken und so verstrichen die Jahreszeiten. Nur einmal im Jahr zogen der Papa, der Onkel und alle anderen erwachsenen Krampusse aus und sie kamen erst spät, spät abends wieder zurück. Als der kleine Krampus einmal fragte, was sie denn da machten, da erzählten sie ihm, dass sie einmal im Jahr zu den Menschen zogen um dort ganz komische Dinge machten: sie schrien wild herum und machten wilde Grimassen – also lauter Dinge die ein Krampus eigentlich nicht gerne macht. Aber die Menschen sind – so weiß es jeder Krampus – ja schon sehr sehr komisch. Sie haben weder ein Fell noch Hörner sondern nur so eine komische rosa Haut. Und laut Papa machten die Krampusse einmal im Jahr den Menschen diesen Gefallen, denn dadurch hatten sie den Rest des Jahres Frieden vor ihnen.

Doch der kleine Krampus war neugierig, was oder wer diese „Menschen“ sind. So stahl er sich an einem warmem Sommertag davon. Er wanderte durch Wälder und durchquerte Bäche bis er schließlich auf so etwas ganz komisches traf: lauter aufeinander gestapelte Steine mit ein paar Brettern drauf. Später erfuhr er, dass es sich um ein Dorf mit einigen Häusern handelte. Aber der kleine Krampus war neugierig und vorsichtig näherte er sich dem Dorf. Als er schon fast dort war erspähte er einen rosa Menschen, der nicht viel größer als er war. Da er in einiger Entfernung noch größere Menschen entdeckte, dachte er sich, dass es sich um ein Menschenkind handeln musste. Das Menschenkind hatte zumindest am Kopf ganz langes Haar – fast so wie ein kleines Fell und so beschloss der kleine Krampus vorsichtig „Hallo!“ zu sagen. Das Menschenkind antwortete ebenfalls mit einem „Hallo!“ und so traute sich der kleine Krampus aus seinem Versteck. Das Menschenkind schluckte kurz – aber dann war es doch zu neugierig und die zwei freundeten sich an. Über die Zeit würden die Zwei die besten Freunde.

Schließlich entdeckten auch die großen Krampusse und Menschen davon und es kam zu einem weltbewegendem Treffen: zum ersten Mal sprachen Krampusse und Menschen miteinander. Sie merkten gegenseitig, was für falsche Vorstellungen sie jeweils hatten. Von da an waren die jährlichen Ausflüge der Krampusse auch Geschichte, denn die Krampusse zeigten den Menschen wie man wundervolle Holzmassen schnitzen konnte. So lernten die Menschen das Schnitzen der Masken und von nun an fand alljährlich ein Umzug der Menschen mit ihren Krampusmasken statt. Auf diese Weise ehrten die Menschen ihre Freundschaft mit den Krampussen. Doch mit der Zeit wurden die Kontakte zwischen den Menschen und den Krampussen weniger, der Brauch der Krampusumzüge lebt bis heute aber weiter. Wenn auch viele Menschen heutzutage an andere Geschichten bei den Krampussen denken – ihr kennt jetzt die wahre Geschichte.